close

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder aus!

Vielen Dank!
Die Nachricht wurde verschickt.

E-Mail (Empfänger)

E-Mail (Absender)

Betreff

Nachricht

CAPTCHA Image [ Neues Captcha ]

Einer der ersten großen Web-Tracking-Unternehmer macht jetzt Blocker und sagt es gebe ideologische Gründe

Der Hamburger Christian Bennefeld gründete die Analytics-Firma eTracker und führte das Unternehmen 13 Jahre. Jetzt macht er mit eBlocker das Gegenteil. Wir haben gefragt, warum.

Monsteblock! Mit eBlocker sagt Christian Bennefeld Tracking von Google, Facebook & Co. den Kampf an. (Fotomontage: Online Marketing Rockstars)

Monsteblock! Mit eBlocker sagt Christian Bennefeld Tracking von Google, Facebook & Co. den Kampf an. (Fotomontage: Online Marketing Rockstars)


„Ich hatte immer ein Störgefühl, wenn ich online ging, weil ich weiß, wie die Branche funktioniert“, sagt Christian Bennefeld gleich zum Anfang des Gesprächs mit Online Marketing Rockstars. Bennefeld ist Mathematiker, hat einen langen Pferdezopf und gilt als Vorreiter im Tracking-Business. 2000 hatte er die Analytics- und Targeting-Firma eTracker gegründet und zu einer der führenden Webanalyse-Plattformen in Deutschland aufgebaut. Jetzt startet der 46-Jährige ein ganz anderes Projekt: Mit eBlocker will er jegliches Tracking blockieren – mit einer Box für Zuhause. Derzeit schraubt er mit einem kleinen Team an der Technik, im Dezember soll es losgehen. Wie er der Online Marketing-Branche an den Kragen will, steht hier.


Christian Bennefeld

Christian Bennefeld (Foto: eBlocker)

Bennefeld selbst sieht seinen Wechsel vom Tracking-Anbieter zum –Verhinderer ganz nüchtern: „Wir haben bei eTracker den Fokus auf Datenschutz gelegt, handeln im Kundenauftrag und legen keine Website-übergreifenden Nutzerprofile an.“ Genau das stoße Bennefeld am meisten auf. Companys wie Google, Facebook und Amazon, die durch ihr Tracking ermöglichten, dass Nutzer von Werbeanzeigen verfolgt würden, seien das große Problem. In dieser Riege habe auch eTracker nie mitgespielt. Sein altes Unternehmen (an dem Bennefeld immer noch beteiligt ist) setze auf statistische Auswertung anonymer Besucher. Daher sei es für eTracker vollkommen egal, ob demnächst 1.000 Leute pro Tag weniger erfasst werden können, weil seine Blocker-Technologie so weit verbreitet ist. Nur die Grundgesamtheit werde kleiner, Stichproben blieben möglich und eTracker-Kunden würden immer noch Ergebnisse erhalten, an welchem Punkt etwa die meisten Nutzer im Warenkorb aussteigen.

eBlocker ist Bennefelds Stinkefinger an Facebook, Google & Co.

Third-Party-Tracker bei Bild.de.

Third-Party-Tracker bei Bild.de.

Trotzdem will er mit seinem neuen Produkt jegliche Tracker ausschalten – auch die von eTracker. Das soll durch einen Mini-PC und eine eigene Software funktionieren. Das Paket nennt sich eBlocker und soll ab Dezember im Handel sein. „Wir richten uns an den DAU – den dümmsten anzunehmenden User“, sagt Bennefeld. „Der eBlocker funktioniert wie ein Föhn, reinstecken und los gehts.“ Der Mini-PC wird per Ethernet an den DSL-Router angeschlossen und muss nicht weiter eingestellt werden. Jedes Gerät im Netzwerk des verbundenen Routers funktioniert automatisch mit dem eBlocker. Der soll dann jegliche Tracking-Dienste von Third-Party-Anbietern, also Facebook (z.B. Facebook Connect), Google (Adsense) oder Twitter (Twitter Button) blocken. Diese transparenten Pixel tauchen auf fast jeder Webseite der Welt auf, geben einen Zählimpuls ab und lesen Daten vom Browser aus – wie Cookies oder Logins. „Wir verwenden zur Erkennung von Third-Party Trackern sowohl öffentliche Filterlisten als auch eigene Filterlisten und haben selbst lernende Algorithmen entwickelt, die Tracker erkennen“, sagt Bennefeld. Das Gerät habe er deshalb entwickelt, weil Anti-Tracker-Software allein umständlich auf allen Geräten im Haushalt installiert werden müsste. Mit eBlocker gebe es eine Zentrale, die sofort alle Geräte vor Tracking schützt – solange sie mit dem Router verbunden sind.

Auch die recht junge Tracking-Art Canvas Fingerprinting soll Bennefelds eBlocker verhindern. Die Technik setzen bereits tausende Webseiten-Betreiber ein. Dabei bewirkt die Seite, dass der Browser des Nutzers im Hintergrund (innerhalb von Sekundenbruchteilen) ein Bild erstellt – natürlich ohne, dass er das bemerkt. Jede Browser-PC-Kombination macht bei der Erstellung des Bildes kleine Unterschiede, abhängig von Browser-Version und Computerkomponenten. Dadurch entsteht ein fast eindeutiger Fingerabdruck des Nutzers, mit dem der Computer dauerhaft erkannt werden kann. Bisher gibt es für diese Technik kein verlässliches Gegenmittel, eBlocker soll das ändern.

Adblocker giftet gegen Adblocker

Gleichzeitig verhindert eBlocker auch das Ausspielen jeglicher Online-Werbung. In jedem Banner stecken Tracking-Pixel der Werbenetzwerke, die eine Analyse der Display-Performance zulassen. Als Adblocker will sich Bennefeld trotzdem nicht sehen: „Das ist moderne Wegelagerei bei Adblock Plus und aus meiner Sicht illegal“. Er spielt damit auf die Geschäftspraxis des größten Adblockers an, zahlende Unternehmen auf eine Whitelist zu setzen und deren Werbung trotzdem zu zeigen. Er selbst würde Werbung ohne Tracking-Pixel gern zulassen, aber wenn er ein Produkt verspreche, das jegliches Tracking verhindert, müsse er auch Display-Werbung sperren. Das funktioniert übrigens auch in Apps – bei jedem Smartphone oder Tablet, das an einem Router mit einem eBlocker hängt. Das bedeutet: Keine Banner in kostenlosen Spieleapps.

So könnte die eBlocker-Hardware aussehen. Ganz abgeschlossen ist das Produkt-Design aber nicht. (Foto: eBlocker)

So könnte die eBlocker-Hardware aussehen. Ganz abgeschlossen ist das Produkt-Design aber nicht. (Foto: eBlocker)


Doch was wünscht sich Bennefeld von der so kritisierten Werbeindustrie und wie sollen Publisher Geld verdienen? Er kritisiert im Gespräch mit Online Marketing Rockstars vor allem die Borniertheit der Branche und wünscht sich in eine Zeit zurück, als Werbung noch nach Page Impressions verkauft und die gleichen Display-Ads für jeden angezeigt wurden. „Wir wollen dort monetarisieren, wo wir eine Leistung erbringen – beim Nutzer. Nicht wie so viele durch das Abgreifen von intimen Nutzerdaten“, sagt Bennefeld. Facebook, Google und all die anderen sind natürlich anderer Meinung. Mit Adservern wie Atlas plant Facebook ja genau das Gegenteil von Bennefelds Traumvorstellung: Ein viel genaueres Tracking der Nutzer über alle Geräte hinweg.

Anonymität und Kinderschutz sind logischer Schritt

Sein eBlocker soll aber noch mehr können, als nur Werbetracker zu blockieren. Die IP-Adressen der Nutzer können auf Wunsch anonymisiert werden, was über das bekannte und unabhängige TOR-Netzwerk passiert. Damit trägt Bennefeld der NSA-Angst vieler potentieller Käufer seiner Blocker-Box Rechnung. Und auch eine Kindersicherung will er einbauen. So können Eltern für ihre Kids eigene Profile mit Filterlisten für spezielle Inhalte anlegen.

Der nächste Schritt für Bennefeld und seinen eBlocker ist eine Indiegogo-Kampagne Anfang August. Auf der Crowdfundingplattform will er erste Geräte an technisch versierte Kunden verkaufen. Die sollen das System testen und wichtiges Feedback geben. Ende des Jahres soll die Serienproduktion beginnen. Das Gerät könnte dann etwa 150 Euro kosten und Software-Updates für ein Jahr im Paket beinhalten. Das hieße, dass die Filterlisten für Tracker und Ads regelmäßig vom Team angepasst werden. Nach dem ersten Jahr könnte solch ein Update zwischen fünf und zehn Euro im Monat kosten. Richtig gefährlich könnte für Marketer aber ein anderer Schritt von Bennefeld werden: „Wir verschenken unsere Software“, sagt er stolz. Wer sich selbst einen Mini-Computer á la Raspberry Pi zusammenbauen kann, kommt so für etwa 30 Euro zum eigenen eBlocker – wenn er die kostenlose Software darauf installiert. Bennefeld hält übrigens 100.000 verkaufte Geräte im ersten Jahr für realistisch, das könnte dann ganz langsam neue Schwierigkeiten für Marketer und Publisher bringen.

 
close

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder aus!

Vielen Dank!
Die Nachricht wurde verschickt.

E-Mail (Empfänger)

E-Mail (Absender)

Betreff

Nachricht

CAPTCHA Image [ Neues Captcha ]
 

OnlineMarktingJobs

  • imgsmallhover
    Senior Online Marketing Manager - Facebook Advertising (m/f)
    Hamburg
    Goodgame Studios / Altigi GmbH
  • imgsmallhover
    Product Marketing Manager (m/f)
    Hamburg
    Goodgame Studios / Altigi GmbH
  • imgsmallhover
    Junior Online Marketing Manager - SEA (m/f)
    Hamburg
    Goodgame Studios / Altigi GmbH
  • imgsmallhover
    Account Manager Online Marketing (m/w)
    Nürnberg
    exito GmbH & Co. KG
  • imgsmallhover
    Online Marketing Manager - Real Time Advertising / Bidding (RTA/RTB) (m/f)
    Hamburg
    Goodgame Studios / Altigi GmbH
  • imgsmallhover
    Online Marketing Manager - Display (m/f)
    Hamburg
    Goodgame Studios / Altigi GmbH
> Alle anzeigen

8 Kommentare

  1. Andreas Kleiser 24.07.2015 um 13:13 Uhr Antworten

    glaube ich nicht so richtig dran. Einen kostenlosen Adblocker installieren ist schnell gemacht, die Hürde gering. Aber Hardware dafür hinstellen oder sogar kaufen und jeden Monat 5-10 Euro für Updates bezahlen? Ich glaube das ist für 95% der Leute problematischer als Werbung und Tracking zu ertragen.

    1. Christian Bennefeld (GF eBlocker) 29.07.2015 um 11:39 Uhr Antworten

      Kleines Missverständnis: Uns geht es nicht darum Ads auf einem PC zu blocken, sondern die Privatsphäre aller Familienmitglieder auf sämtlichen Geräten (vom iPad über SmartTV bis zur Gamekonsole) zu schützen. Wer nur Ads blocken will und nur einen PC/Mac hat, der ist mit einem Adblocker Plugin sicher gut bedient.

  2. chris 24.07.2015 um 15:52 Uhr Antworten

    Wer sagt dass die Updates kosten?

    Koennte interessant sein, die ganze Familie und Gaeste sind so vor Tracking geschuetzt, dennoch welcher DAU kommt auf die Idee, dass er sowas braucht…

  3. Marc Schröter 24.07.2015 um 18:44 Uhr Antworten

    Sehr cool! Vielen Dank für die Umsetzung!

    Ich habe schon von einer Hardware-Firewall für jeden geträumt bevor es den Raspi gab. Anscheinend setzt der gute Mann genau das um. Wird Zeit den Tracking-Diensten den Finger zu zeigen!

    Wenn das Feintuning noch individualisierbar ist, ist die Box gekauft und es wird weidlich Werbung in allen Kreisen gemacht!

    Im besten Fall baut seine Firma noch eine App, die ohne Root sämtliches Tracking unterbindet und frei entscheiden lässt, ob man auf den Androiden-Datenschleudern Werbung schalten lassen möchte (je nach App zu Unterstützung der Programmierer) oder nicht. Damit würde die neue Marke aber sowat von boosten!
    Wäre nur konsequent! Ick sage nur: Xprivacy & Droidwall in einem – ohne root – wären der Killer!

  4. Jan 24.07.2015 um 23:28 Uhr Antworten

    Vom Saulus zum Paulus. Er wird schon wissen as sich alles dahinter verbirgt und wie man es blocken bzw. umgehen kann. Es hört sich zumindest verheißungsvoll an so einen Blocker zu haben, denn das Gefühl immer gläserner zu sein hat doch wohl im Moment fast jeder der sich im Internet bewegt.

  5. Markus 25.07.2015 um 11:54 Uhr Antworten

    1. Sehe ich für das ganze Thema einen massiv winzigen Markt, weil genau beim Thema Geld der Nutzer unvernünftig wird – und sich eben bei Facebook nur anmeldet, solange es kostenlos ist.
    2. Finde ich es schade, dass sich der gute Herr auf den Weg zu neuen Ufern schon wieder mit einem DAU Produkt macht.

  6. OnlineUSer 05.09.2015 um 01:51 Uhr Antworten

    Ich freue mich jetzt schon auf die Zeit wo das Internet zur gesamten Bezahl-Landschaft wird ohne ledigliche Gratis-Inhalte, ohne Gratis-Games, ohne Gratis Freemail und allen geizigen User und Panikmacher verschwinden und es nur noch Pay-Content gibt.
    Wo Payback und Punktekarten verschwinden, Bankinformationen woraus Konsumverhalten abgeleitet werden und und und.

    Dann wann sämtliche Businesskonzepte den Bach heruntergehen und tausende von Menschen keine Arbeit mehr haben und auch Adblocker und eBlocker und wie sie nicht alle heissen ebenfalls in den Abgrund fliegen. Das wäre ein Traum, endlich kein Müll mehr und back to the roots wie damals in den 80er und 90er Jahren. Dabei nenne ich nicht Werbung als Müll, sondern die Einstellungen und bestimmte Leute die durch Ihr Handeln sich dazu machen.

    Über Postsendung, Radiowerbung und TV-Werbung beschwert sich nicht wirklich jemand und auch da werden alle Konsumverhalten getrackt, Problemlos und das Jahrzehnte hinweg, nur weil man im Internet transparent ist, st nicht gleich alles schlecht.

    Jeder User hat heute bereits die Möglichkeit sich nicht tracken zu lassen nur leider Informiert niemanden den User gezielt und anstelle Aufklärungsarbeit zu betreiben und zu sensibilisieren … Aber ja, wenn man nicht in der Lage dazu ist, blockt man doch grad alles….und privat lädt man sich aber noch Alben, Filme etc per torrent herunter laden. Ja ja ja – super Benne

  7. Serra Avatar 06.03.2016 um 20:03 Uhr Antworten

    da sieht wohl einer seine Felle davonschwimmen @OnlineUSer … ich habe kein Problme damit für Programme etc. zu zahlen, aber das was die wert sind und nicht Mondpreise die sich die Hersteller wünschen … mache ich bei Spielen Filmen Musik etc. schon so: Krabbelkiste / Sales GotY Editionen usw. kaufen dann wenn der Gegenwert stimmt und schon gar nicht zahle ich mit persönlichen Daten!

    back 2 the roots hast du schon richtig angemerkt, als das Internet noch eine Plattform für den freien Meinungs & Informations Austausch war, bevor die ganzen Kommerz Aasgeier drüber herfielen.

0 Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*