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Video-Freebooting: Wir haben mit einem der erfolgreichsten deutschen Youtuber gesprochen

Philipp Dettmer von „Kurzgesagt“ über den stark zunehmenden Content-Klau auf Facebook


Das neueste Video des erfolgreichen Youtube-Kanals „In a Nutshell – Kurzgesagt“ sorgte in der vergangenen Woche für ordentlich Wirbel. In einem für den Channel typischen animierten Video hatte Philipp Dettmer, Betreiber des Kanals, das Phänomen Freebooting erklärt und stark kritisiert. In weniger als einer Woche erreichte der Clip über 1,8 Millionen Views. Die Problematik beschreibt das bei offenbar immer mehr Facebook-Publishern beliebte Vorgehen, erfolgreiche Youtube-Videos ohne Quellenangaben auf der eigenen Seite hochzuladen. Ganze Netzwerke bauen so scheinbar mit fremden Inhalten massive Reichweiten auf. Online Marketing Rockstars hat mit Philipp Dettmer gesprochen und deutliche, verärgerte Antworten bekommen.

„Das ist alles Bullshit!“, antwortet Philipp Dettmer auf die Frage, was er von Facebooks neuester Video-View-Statistik hält – demnach sollen im Sozialen Netzwerk inzwischen acht Milliarden Videos am Tag angeschaut werden. Er betreibt mit einem rund zehnköpfigen Team den Youtube-Channel „In a Nutshell – Kurzgesagt“. Seit Ende 2013 kommt der Kanal, der verschiedenste Probleme und Thematiken mit Animationsfilmen erklärt, auf über 60 Millionen Aufrufe und rund 1,4 Millionen Abonnenten. Im neuesten Video „How Facebook is Stealing Billions of Views“ geht es um ein Phänomen, das Dettmer und sein Team selber betrifft: Freebooting.

Freebooting scheint eine gängige Praxis zu sein – auch bei Accounts von Promis

Betreiber von Facebook-Seiten laden fremde Videos, häufig ohne Quellenangabe, auf den eigenen Seiten hoch und bauen durch geklauten Content teils massive Reichweiten auf. Prominente Beispiele gibt es viele, unter anderem US-Schauspieler Tyrese Gibson (Tiervideos auf seinem Facebook-Profil mit 28 Millionen Fans erreichen regelmäßig über fünf Millionen Views), Pro7-Moderator Daniel Aminati (fast 1,5 Millionen Fans und häufig über 200.000 Views auf lustige Videos, immerhin mit Angabe der angeblichen Quelle) und Prinz Marcus von Anhalt (über 3,7 Millionen Fans, sitzt seit Anfang des Jahres im Gefängnis und lässt das Profil sehr wahrscheinlich von einer Agentur pflegen). Welche Dimensionen Freebooting teilweise annimmt und welchen Schaden es damit anrichten kann, zeigt der Fall des amerikanischen Filmemachers und Youtube-Promis Casey Neistat. Gegenüber Adweek erklärt er, wie er nur bei einem Video 20 Millionen Views durch Freebooting verloren hätte.

Im Gespräch mit Online Marketing Rockstars wird deutlich, dass die kurzgesagt-Macher häufig mit dem Problem Freebooting zu kämpfen haben. „Uns passiert das ständig. Etwa einmal die Woche haben wir einen Fall, bei dem ein geklautes Video von uns auf einer fremden Seite Views im sechsstelligen Bereich erzielt. Für Creator ist das der Alltag geworden. Es herrscht depressive Apathie“, beschwert sich Philipp Dettmer. In einem Fall hätte ein ihm geklautes Video auf Facebook innerhalb von nur zwei Tagen über 3,2 Millionen Views und 140.000 Shares erreicht. Auf dem eigenen Kanal erreichte der aufwendig und teuer produzierte Clip lediglich eine Reichweite von 100.000.

Ist Facebook für Video-Creator noch nicht attraktiv genug?

Die einzige Möglichkeit in solchen Fällen sei, den entsprechenden Clip zu melden und zu hoffen, dass Facebook schnell reagiert. „Bis das Freebooting-Video gesperrt wird, hat es häufig schon Millionen von Views“, sagt Philipp Dettmer. „Die Reaktionszeit schwankt da auch sehr. Mal dauert es acht Stunden, es hat aber auch schon acht Tage gedauert. Ich habe aber das Gefühl, dass sich das etwas verbessert und das auch mit der Größe des Kanals zu tun hat. Als wir kleiner waren, dauerte alles definitiv länger.“ Warum lädt das kurzgesagt-Team die Videos eigentlich nicht selber auf Facebook hoch, um so zumindest einen Teil der sonst komplett geklauten Reichweite einzusammeln? „Facebook ist im Moment absolut nutzlos für uns. Es macht definitiv keinen Sinn, als Video-Creator auf Facebook unterwegs zu sein“, antwortet Dettmer. Und weiter: „Außerdem bekommen wir kein Geld durch Anzeigen und es gibt keine Community, die uns ab und zu mit kleinen Spenden unterstützt. Davon sind wir einfach abhängig. Es ist, als würde man einen leckeren Kuchen vorbereiten, um ihn dann nach draußen zu stellen und vergammeln zu lassen.“

Freebooting ist vor allem in der Creator-Szene schon länger ein Thema. Schon im August dieses Jahres sorgte der Youtuber Hank Green mit einem Artikel für Aufsehen. Er sagt unter anderem, dass von den 1.000 meistgesehenen Videos auf Facebook im ersten Quartal 2015 mindestens 725 von Youtube geklaut wären. Er weist außerdem auf die allem Anschein nach deutlich niedrigere Retention (Aufenthaltsdauer) bei Facebook hin. Bei Facebook-Videos sollen nach 30 Sekunden nur noch rund 21 Prozent der Nutzer zuschauen, bei Youtube seien es zum selben Zeitpunkt noch 86 Prozent. Auch die Auswertungsmethoden sind bei beiden Portalen unterschiedlich. Facebook verbucht schon ab drei Sekunden ein Video als angeschaut – in Kombination mit der Autoplay-Funktion sorgt das logischerweise für einen enormen Anstieg der Views. Um dagegen einen Youtube-View zu erzeugen, muss ein User mindestens 30 Sekunden zuschauen. Green zieht den Schluss, dass Facebook Views auf diese Art zählt, um höhere Zahlen und bessere Statistiken erzielen zu können. Facebook-Product-Manager Matt Pakes reagierte seinerseits mit einem Post auf Medium.

Im Januar machte Dustin Sandlin, Betreiber vom Youtube-Channel „Smarter Every Day“, in einem Video ebenfalls auf Freebooting aufmerksam. Das aktuelle Video von Philipp Dettmer und „In a Nutshell – Kurzgesagt“ feuert die Thematik jetzt wieder an. Der erfolgreiche Clip schaffte es kurzzeitig auf den ersten Platz der angesagtesten Themen bei Reddit. Zahlreiche Branchengrößen und Social-Media-Stars nahmen sich dem Thema an, wie der Business Insider auflistet.

Freebooting gibt es auch auf Youtube – wird dort nur schneller erkannt

Christoph Burseg

Christoph Burseg

Online-Video-Experte Christoph Burseg beobachtet die Freebooting-Entwicklung ebenfalls schon lange: „Das ist eine riesige Schweinerei und wird gefühlt auch immer mehr. Zwar werden Musikvideos häufig sehr schnell gelöscht, tausende von Youtubern haben aber momentan das Nachsehen.“ Die neueste Masche sei, nur Teile eines Videos zu nutzen und dem Clip noch Sprüche oder Smileys hinzuzufügen. Das mache das Auffinden von geklautem Content noch schwieriger. Burseg fügt hinzu: „Jede Videoplattform, die momentan gehypt wird, ist in Sachen Rechte und Monetarisierung einfach mal Lichtjahre hinter Youtube. Wenn es irgendwann dazu kommt, das Geld dann mit Rechteinhabern zu teilen, werden sich viele Player auch wieder verabschieden. Youtube kann da ganz entspannt bleiben.“

Aber auch bei Youtube gibt es immer wieder Fälle von Content-Klau. Zwar ist es bei Googles Video-Plattform durch das Content-ID-System deutlich aufwändiger, Inhalte zu klauen. Creator können ihre Videos einer Datenbank hinzufügen – neue Videos werden dann beim Hochladen geprüft und der Rechteinhaber kann entscheiden, ob er die Versionen auf dritten Kanälen sperrt oder selber monetarisert. Neue Maschen, die zumindest kurz- bis mittelfristig unentdeckt bleiben, gibt es trotzdem immer wieder. Bei einem aktuellen Beispiel umgeht der Channelbetreiber Stefan Lodes die automatische Bilderkennung des Content-ID-Systems scheinbar durch starkes Reinzoomen und einen dadurch veränderten Bildausschnitt. Der Kanal, der komplette deutsche Folgen der Simpsons zeigt, kommt seit dem Start Ende Juni auf fast 1,2 Millionen Views. Auf Reddit wird über weitere, teils kuriose Fälle diskutiert. Beispielsweise könne ein Creator seine eigenen Prank-Videos selber nicht mit Anzeigen monetarisieren, der Account, der sie klaut, verdiene damit allerdings Geld. Zu diesem bestimmten Fall gibt es inzwischen sogar eine Online-Petition auf change.org. Rund 52.000 Menschen wollen, dass die Accounts von SoFloAntonio gesperrt werden.

Was unternimmt Facebook in Zukunft für Video-Creator?

Facebook selber verweist auf Systeme, die sich um das Erkennen und Löschen von Urheberrechtsverletzungen kümmern und ständig weiterentwickelt werden sollen. Dazu gab es Ende August auch schon einen offiziellen Blogpost. Es handele sich dabei allerdings ganz klar nicht um ein Content-ID-System wie bei Youtube. Auf Nachfrage von Online Marketing Rockstars erklärt ein Sprecher lediglich: „Wir haben ein Meldungs- und Löschsystem eingerichtet, welches mit den meisten Publishern, mit denen wir arbeiten, funktioniert.“ Gegenüber Horizont erklärt Stefan Stojanow, Facebook-Sprecher für die DACH-Region, dass Facebook den Schutz von geistigem Eigentum sehr ernst nehme und seit Jahren das System Audible Magic nutze, um Urheberrechtsverstöße zu verhindern. Allerdings gebe es aktuell noch einige technische Herausforderungen – ein Team arbeite bereits mit Partnern an einer internationalen Lösung.

Weiterhin gibt es in den USA erste Tests zur Monetarisierung von Videos. Ob ein Start eines Abrechnungsmodells ähnlich dem von Youtube Auswirkungen auf die Freebooting-Problematik haben würde, ist unklar. Denkbar wäre, dass dann nur noch mehr Seitenbetreiber versuchen würden, mit günstigem, weil geklautem Content, Reichweite aufzubauen und abzukassieren. Vor einem Launch sollte Facebook also auf jeden Fall die Urheberrechts-Thematik in den Griff bekommen.

 
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1 Kommentar

  1. Synapsenkitzler 23.02.2016 um 16:32 Uhr Antworten

    Zu freebooting auf facebook:
    Anstelle dass die Videos gelöscht werden wenn diese erkannt sind, wäre es sinnvoller die clicks und ggf. generierten Einnahmen dem Urheber/Originalvideo zuzurechnen, wie das auch bei youtube möglich ist.

2 Pingbacks

  1. Broadmark News am 18.11.2015 | Broadmark

  2. Youtube schützt Fair Use, Freebooting und Blogger Relations

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