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Gefälschte Bewertungen: So sieht das große Problem der App Stores aus

Dieses Foto zeigt offenbar, wie Ratings in Sweatshops gefälscht werden

 (Quelle: Simon Pang)

(Quelle: Simon Pang)


Dass App-Bewertungen gefaket werden, um die entsprechenden Anwendungen zu pushen und mehr Downloads zu generieren, dürfte niemanden mehr überraschen. Doch ein Bild, das möglicherweise aus einem chinesischen Sweatshop stammt, dürfte selbst vielen Entwicklern die Augen dafür öffnen, in welchem Umfang und wie systematisch diese Praxis mittlerweile offenbar betrieben wird. Wie Online Marketing Rockstars herausgefunden hat, bieten auch deutsche Mobile-Marketing-Agenturen öffentlich den Kauf von Bewertungen an.

„So funktionieren App-Store-Bewertungen. Willkommen in der Realität“, schreibt Simon Pang vor wenigen Tagen bei Twitter und postet dazu ein Bild von einer jungen Asiatin, die vor einer ganzen Smartphone-Batterie sitzt und offenbar im Akkord App-Bewertungen fälscht. Besonders angenehm ist ihre Arbeitsumgebung augenscheinlich nicht – die junge Frau trägt eine Winterjacke.

Pang, der das Bild postete, ist selbst App-Entwickler. Wie er auf Anfrage einer Journalistin des Wall Street Journal angibt, sei das Bild von einem Freund von ihm aus China gepostet worden, die Quelle kenne er nicht.

Möglicherweise kursierte das Foto zuvor schon innerhalb des chinesischen Social Networks Sina Weibo. Darauf deuten ähnliche Bilder hin, die der Techblog Softpedia aufstöberte. Wer weiter sucht, stößt auf Einträge in chinesischsprachigen Blogs (1 & 2), die ebenfalls thematisieren, dass in China offenbar eine richtige Branche besteht, die App-Bewertung systematisch fälscht und diese Tätigkeit als Dienstleistung anbietet. Wie Softpedia schreibt, wird diese Praxis in China „Brushing“ genannt.

(Quelle: Weibo.com)

(Quelle: Weibo.com)


Gefälschte App Bewertungen sind in den großen App Stores schon seit vielen Jahren ein Problem. Wie hoch der Anteil an gefaketen Reviews ist, ist unbekannt – auch, weil schwer zu erkennen ist, ob eine Bewertung wirklich gefälscht ist. Der Analytics-Dienstleister Apptentive will im vergangenen Jahr zumindest ermittelt haben, dass der Anteil an gefaketen Ratings im iOS App Store leicht höher sei als im Google Play Store. Zumindest Apple geht offenbar aktiv gegen die Fakes vor, will Techcrunch beobachtet haben.

Über Google lassen sich jedoch immer noch leicht Anbieter wie AppReviewsKiosk und BestReviewApp finden, über die sich Bewertungen kaufen lassen. Auf der Minijob-Plattform Fiverr gibt es eine eigene Sektion, in der Nutzer anbieten, für Auftraggeber für schmales Geld Reviews zu verfassen.

(Screenshot)

(Screenshot AppDownloadsKaufen.de)


Auch deutsche Dienstleister haben sich am Markt positioniert: Unter den Domains AppDownloadsKaufen.de und AppBewertungenKaufen.de (leitet auf die zuvor genannte Domain um) bietet das Mainzer Unternehmen Gratizzz 50 Bewertungen zum Preis von 290 Euro an – bei größeren Aufträgen sinkt der Preis. Inhaberin der beiden genannten Domains sind Stephanie Renda und die unter der gleichen Adresse angesiedelte Agentur Match2blue, die die Lufthansa und die Verlagsgruppe Rhein Main zu ihren Referenzen zählt.

Update, 10. Februar, 10:32 Uhr:
Das Unternehmen match2blue legt Wert auf die Feststellung, dass die Gratizzz GmbH, Betreiberin von AppDownloadsKaufen.de und AppBewertungenKaufen.de, in keinerlei Geschäftsbeziehung mit der match2blue GmbH steht.

 
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6 Kommentare

  1. cm 06.02.2015 um 17:41 Uhr Antworten

    Ich hätte gedacht, dass man das sehr viel effizienter über eine Software lösen kann, aber so wie es aussieht, wird für jedes Review nicht nur ein Account benötigt, sondern eine Gerät-UUID.

    Bewertungen beeinflussen die App-Rankings und daher ist es nur logisch, dass das System gegamed wird.

    Stellt sich nur die Frage, warum Apple dagegen nicht vorgeht. Die müssten ja massive Daten darüber haben, wie Leute Bewertungen abgeben (z. b. im Verhältnis zu den installierten / genutzten Apps). Die schwarzen Schafe dürften sich doch relativ leicht identifizieren und sperren lassen.

  2. Alex 11.02.2015 um 20:27 Uhr Antworten

    Ja dank solchen Angeboten hat man als ehrlicher APP-Entwickler garkeine Chance irgendwo in irgendeiner Rubrik oben aufzutauchen.

  3. Martin 15.02.2015 um 11:24 Uhr Antworten

    wow – bei gruenderszene in der köpfe datenbank steht sogar das herr mannweiler mitgründer von match2blue IST (UND Geschäftsführer von gratizzz). und er hat in STANFORD studiert, bei mckinsey (!!) gearbeitet & saß in der jury zum deutschen gründerpreis. und mit gekauften appdownloads/reviews sein geld machen, ist das crowdfunding für map2bizz wohl nicht so gut gelaufen ? wenn ich das so nach kurzer google recherche sehe versucht der wirklich jeden hype mitzunehmen sebst haarpflege produkte: http://www.philipb-germany.de/philip-b.html

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