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So entwickelt man aus einem Newsletter ein Unternehmen mit 14 Millionen Euro Umsatz

My Little Paris begann mit einer Mailing-Liste von 50 Freunden und hat heute 80.000 Kunden

Fany Péchiodat

Fany Péchiodat


Als Fany Péchiodat 2008 damit beginnt, einen liebevoll gestalteten Newsletter über ihre persönlichen Highlights des Pariser Lebens an 50 Freundinnen zu verschicken, ist ihr noch nicht klar, dass sie einige Jahre später ein Unternehmen mit Millionen-Umsätzen leiten würde. Ihr gelingt es in wenigen Jahren, 1,5 Millionen Newsletter-Abonnenten zu akquirieren und mit Werbung und einer neuen Geschäftsidee diese Reichweite zu Geld zu machen.

1,5 Millionen Newsletter-Abonnenten

Die Geschichte von My Little Paris beginnt 2008, als Fany Péchiodat jeden Tag eine Story über ein persönliches Paris-Highlight in Form eines Newsletters an 50 Freundinnen verschickt. Dieser kann einen Bericht zu einem Restaurantbesuch enthalten, ein Eventtipp oder die Freude über ein neu erworbenes Beautyprodukt. Die Macherin legt dabei großen Wert auf eine liebevolle Gestaltung, bei der sie Hilfe von einer befreundeten Illustratorin bekommt, und feilt so lange an den Inhalten, bis jeder Newsletter etwas Besonderes ist. In wenigen Monaten ist die Zahl der Newsletter-Abonnenten auf einige tausend und bis heute auf 1,5 Millionen gewachsen – und zwar ohne Marketingmaßnahmen, komplett organisch.

My little Paris Office (Screenshot Youtube)

My little Paris Office (Screenshot Youtube)


Die Öffnungsrate des Newsletters liegt nach eigenen Angaben des Unternehmens bei 50 Prozent und ist damit überdurchschnittlich hoch. Zum Vergleich: In Frankreich werden durchschnittlich gerade einmal zehn Prozent aller Newsletter geöffnet. Wie die Gründerin in einem Vortrag erklärt hat, sieht sie den Erfolg in drei Faktoren begründet: Zum Einen ist es die Kürze des Newsletters, der in weniger als einer Minute gelesen werden kann – vergleichbar mit dem Genuss eines Espressos. Als zweiten Punkt führt sie das Design an. Die liebevoll gestalteten Illustrationen können Emotionen am besten übertragen und verleihen dem Text etwas Menschliches. Und der dritte Grund für den Erfolg liegt ihrer Meinung nach in der Story, die sehr persönlich ist – wie für eine beste Freundin geschrieben. SEO-Kriterien und Keywords werden völlig missachtet.

Diese Reichweite zieht auch Werbetreibende an. Doch der Gründerin ist bewusst, wie wertvoll ihre Abonnenten sind, darum lässt sie sich nur auf Werbedeals ein, die genau auf ihre Zielgruppe angepasst werden. 500 Termine für eine kosmetische Behandlung wurden innerhalb einer Stunde registriert, nachdem ein Newsletter mit dem entsprechenden Hinweis versendet wurde.

Beauty-Boxen von 80.000 Kunden abonniert

So entsteht 2011 eine neue Geschäftsidee; bei My Little Box können Kunden ein Monatsabo abschließen, bei dem ihnen jeden Monat eine kleine Box mit einem Magazin und von Unternehmen gesponserten (!) Beauty- und Fashion-Produkten per Post zugesendet wird. Von den 1,5 Millionen Newsletter-Abonnenten konnten 80.000 Leads generiert werden, die bereit sind, monatlich 16,90 Euro dafür zu bezahlen. My Little Paris ist es mit dem Modell „Beauty-Boxen per Abo“ gelungen, Content zu monetarisieren.

My Little Box (Screenshot)

My Little Box (Screenshot)


Vor zwei Jahren noch hatte My Little Paris mit den Anzeigen, die exakt auf ihre Zielgruppe und in ihrem Design angepasst werden, lediglich eine Möglichkeit zur Monetarisierung – heute haben sie drei. Neben dem Geschäft mit My Little Box, das 65 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, verdienen sie auch noch Geld mit ihrer Mobile App.

Springer-Tochter investiert

Für 40 Millionen Euro übernimmt die französische Lifestyle-Website und Axel Springer-Tochter Aufeminin im November 2013 vorerst 60 Prozent von My Little Paris – mit der Absicht bis 2018 die restlichen Anteile zu erwerben. Für ein Unternehmen, in das 5.000 Euro Startkapital investiert wurde, ein großer Erfolg.

Laut new business soll der jährliche Umsatz der Firma bei 14 Millionen Euro liegen. Die Gründerin Fany Péchiodat ist immer noch Geschäftsführerin, ihre Schwester Amandine verantwortet die kreative Seite des Geschäfts. Mittlerweile hat das Unternehmen über 50 Mitarbeiter.

Vielen Dank an Pit Gottschalk für den Tipp!

Update, 19.09.2014, 16:27 Uhr: Der Artikel wurde um einige Informationen ergänzt.

 
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4 Kommentare

  1. Bjoern Sjut 18.09.2014 um 18:30 Uhr Antworten

    Cooler Hinweis, dankeschön!

    Weil er zeigt, dass man auch mit reiner Kreativität und nahezu ohne Technologie ein fantastisches Online-Unternehmen aufbauen kann.

  2. Linda 26.09.2014 um 06:45 Uhr Antworten

    Das ist wirklich eine tolle Erfolgsgeschichte! 🙂
    Der Screenshot vom Newsletter sieht wirklich schön aus, sehr liebevoll gestaltet. Es lohnt sich wahrscheinlich schon, sich nur wegen der Bilder anzumelden.

    Ich finde das Prinzip sehr interessant und bin nun heftig am Grübeln, wie ich das beim Aufbau meines Newsletters berücksichtigen kann.

    Was heißt eigentlich „kurz“ in diesem Zusammenhang? 200 Wörter?

    1. Birthe Ziegler Post author26.09.2014 um 09:49 Uhr Antworten

      Hallo Linda, das ist ein Screenshot von der Website, aber der Newsletter ist ähnlich liebevoll gestaltet. Der letzte Newsletter umfasste 150 Wörter – liest sich „wie ein Espresso“.

  3. Marvin 08.01.2016 um 09:17 Uhr Antworten

    Sehr schön zu lesen diese Erfolgsgeschichte. Wieder einmal zeigt sich was alles möglich ist. Nur an Axel Springer hätte ich mich an ihrer Stelle nicht verkauft, aber das ist nur eine persönliche Meinung. 😉

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