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Superfish: Eine der am schnellsten wachsenden Firmen im Online Marketing verkauft eigentlich nur Müll

US-Firma zeigt Nutzern ohne ihr Wissen mittels Crapware Affiliate-Links an

fishy
Von solchen Wachstumsraten können andere nur träumen: Das US-Start-up Superfish konnte innerhalb der vergangenen drei Jahre seinen Umsatz um sage und schreibe 26.000 Prozent auf zuletzt 35,3 Millionen US-Dollar steigern und ist damit laut Inc.com das am viertschnellsten wachsende private Unternehmen in den USA. Auf seiner Firmenseite stellt sich Superfish als Anbieter von Technologie für „visuelle Suche“ dar. Geld verdient das Unternehmen aber hauptsächlich mit einem ganz anderen Geschäftsmodell, nämlich mit Affiliate Marketing über so genannte „Crapware“: Browser-Erweiterungen, die sich zum Teil ohne Wissen der Nutzer installieren.

Superfish, im Jahr 2006 von dem Israeli Adi Pinhas und dem Russen Michael Chertok gegründet, besitzt eine eigene Bild-Erkennnungs-Software. Diese analysiert Bilddateien und findet ähnliche Bilder. Zum Einsatz kommt die Technologie vor allen Dingen bei der Erweiterung „Window Shopper“, die für diverse Browser verfügbar ist. Installiert ein Nutzer die Anwendung, empfiehlt ihm die Software, wenn er in Online-Shops einen Artikel betrachtet, „ähnlich aussehende“ Produkte.

„Window Shopper“ auf Amazon.de

„Window Shopper“ auf Amazon.de

„Window Shopper“ auf Conrad.de

„Window Shopper“ auf Conrad.de

Superfish hat „Window Shopper“ für alle gängigen Browser als Download zur Verfügung gestellt. Die größte Verbreitung erfährt die Software jedoch auf anderem Wege – im Huckepack mit anderen Browser-Erweiterungen. Beiträge in Internet-Foren deuten darauf hin, dass diverse Entwickler jenen Nutzern, die ihre Browser-Erweiterungen herunter geladen haben, gleichzeitig „Window Shopper“ untergejubelt haben – meist offenbar, ohne die Nutzer darüber zu informieren. Zu den betroffenen Erweiterungen gehören offenbar beispielsweise Awesome Screenshot, Read it Later (heute als Pocket bekannt), Glims, Measure It, Fast Save und X Notifier. Auf einer Vielzahl von Seiten (einige Beispiele: 1 2 3 4 5) beschweren sich die Nutzer über das plötzliche Auftauchen von „Window Shopper“ in ihrem Browser. Wer nach „Superfish Window Shopper“ bei Google sucht, findet hauptsächlich Anleitungen dazu, wie Nutzer die Nerv-Software wieder loswerden können sollen.

Entwickler von Add-ons erhalten Umsatzbeteiligung

Die Partner-Entwickler sollen dadurch, dass sie „Window Shopper“ huckepack nehmen, ihre eigenen Add-ons, Toolbars und Extensions refinanzieren können. Denn die Produkte, die Superfish in „Window Shopper“ einblendet, sind mit Affiliate Links verknüpft. Wie der FAQ-Sektion von Superfish zu entnehmen ist, arbeitet das Unternehmen in diesem Bereich offenbar mit Preisvergleichsseiten wie Pricegrabber, Shopzilla und Shopping.com sowie den Affiliate-Netzwerken Linkshare und Commission Junction zusammen. Kommt ein Klick auf einen „Window Shopper“-Link zustande, teilen sich Superfish und Entwickler die Einnahmen fifty-fifty. Die Entwickler können sich online anmelden und müssen angeblich lediglich eine Code-Zeile in ihre Software einbinden. Superfish habe „sofort Umsätze generiert“, schreibt Yongqian Li, Entwickler des Add-ons Fastest Fox, in einem Blog-Beitrag. Im online einsehbaren Mustervertrag heißt es zwar, dass die Partner-Entwickler verpflichtet seien, die Nutzer darüber zu informieren, dass sie mit ihrer Anwendung gleichzeitig „Window Shopper“ installieren. Die Foreneinträge zeigen jedoch, dass sich offenbar kaum jemand an diese Vorgabe hält.

„Window Shopper“ im Modebereich von Amazon.de

„Window Shopper“ im Modebereich von Amazon.de

Für die betroffenen User ist die Werbung von „Window Shopper“ nicht gleich als solche zu erkennen. In Online-Shops wird ihnen bei Mouseover über Produkten eine Schaltfläche mit der Aufschrift „See More“ bzw. „Mehr Anzeigen“ eingeblendet. Zuvor hieß es noch „See Similar“ – die Änderung habe die Click-Through-Rate deutlich erhöht, schreibt das Unternehmen in einem Blog-Beitrag.

Laut einem Artikel des Techportals Xconomy verzeichnet Window Shopper mittlerweile 100 Millionen monatliche Nutzer. Superfish erwirtschafte mittlerweile „ein paar Millionen Dollar im Monat“ mit Umsätzen aus Affiliate Netzwerken, erklärte CEO Adi Pinhas bereits vor einem Jahr gegenüber einer Journalistin des Wall Street Journal. Die Kasse des Unternehmens ist gut gefüllt: Im Rahmen von vier Finanzierungsrunden sammelte das Unternehmen 20 Millionen US-Dollar ein. Zu den Investoren gehört die VC-Firma Draper Fisher Jurvetson (DFJ), die auch an Skype, Tesla und Space X beteiligt war bzw. ist. „Der Umstand, dass wir die am schnellsten wachsende Software-Firma im Inc.com-Ranking sind, zeigt die gewaltige wirtschaftliche Zugkraft unseres Geschäftsmodell – und das, obwohl wir erst an der Oberfläche dessen kratzen, was mit visueller Suche möglich ist“, sagt Pinhas vor wenigen Wochen.

 
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2 Kommentare

    1. Roland Eisenbrand Post author03.09.2014 um 10:38 Uhr Antworten

      Ein Lob aus so berufenem Munde freut uns natürlich besonders – vielen Dank!

1 Pingback

  1. Geschäftsmodelle in der Grauzone: Wie Superfish ein Wachstum hinlegt, von dem viele nur träumen » t3n

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